Betablocker: Zur effektiven Senkung von Blutdruck & Puls

Betablocker: Zur effektiven Senkung von Blutdruck & PulsBetablocker werden hauptsächlich bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschrieben, da sie sowohl eine Senkung des Blutdruckes als auch eine Senkung des Pulses herbeiführen. Dies geschieht, indem sie Stresshormone hemmen. Betablocker gehören in Deutschland zu den am meisten verschriebenen Medikamenten, da Krankheiten wie Bluthochdruck mittlerweile zu Volkskrankheiten avanciert sind und statistisch gesehen bei jedem dritten Erwachsenen auftreten. Im höheren Alter trifft es sogar jeden Zweiten.

Entwickelt wurde der Betablocker in den 1960er Jahren vom schottischen Nobelpreisträger Sir James Whyte Black. Der Begriff ist lediglich eine Abkürzung für Beta-Rezeptorblocker bzw. Beta-Adrenozeptor-Antagonisten. Die vollständig ausgeschriebene Variante zeigt bereits, an welchen Teilen der Körperzelle das Arzneimittel ansetzt – nämlich an den sogenannten Beta-Rezeptoren. Diese befinden sich auf den Zellen der Blutgefäße, des Herzens, der Bronchien und der Nieren. Rezeptoren fungieren dabei grundsätzlich als Andockstelle für Botenstoffe bzw. in diesem speziellen Fall für die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.

Wie funktionieren Betablocker?

Immer wenn der Körper unter Stress steht, schüttet er Hormone aus, die ihm in dieser Situation helfen. Die Rede ist dabei von den beiden Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin. Sie sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße verengen, das Herz schneller schlägt, die Bronchien sich verengen und der Blutdruck steigt.

Ein Beispiel für eine solche Stresssituation könnte beispielsweise der Angriff eines wilden Tieres sein. Die vier Effekte der Stresshormone auf den Organismus sorgen dafür, dass wir leistungsfähiger sind und infolgedessen schnell flüchten können. In der heutigen Zeit sind diese Effekte jedoch eher kontraproduktiv, da der Stress, den wir tagtäglich erleben, eher psychisch bedingt ist. Auf der Arbeit bringt es beispielsweise nichts, schnell wegrennen zu können. Stattdessen schädigt der erhöhte Blutdruck lediglich unsere Gefäße und Organe, da er so schnell nicht wieder absinkt. Die natürliche Absenkung würde eigentlich durch die eben erwähnte Flucht erfolgen – diese fehlt allerdings.

Nun kommen die Betablocker ins Spiel: Sie verhindern die Effekte der Stresshormone und sorgen dafür, dass sowohl der Puls, als auch der Blutdruck auf einem normalen Niveau bleiben.

Wann werden Betablocker verwendet?

Betablocker können bei zahlreichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen verwendet werden. Dazu zählen:

  • Herzinfarkt
    Nach einem Herzinfarkt sollte der Patient dauerhaft Betablocker einnehmen, da diese das Risiko für weitere Herzinfarkte deutlich senken können.
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Koronare Herzkrankheit
  • Brustenge (Angina pectoris)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Grüner Star (Glaukom)
  • Schutz vor Migräne-Anfällen
  • Angststörungen
  • Schilddrüsenüberfunktion

Bei Asthma, bei einem stark verlangsamten Puls (Bradykardie), bei einem nicht-optimal eingestellten Diabetes und bei Erektionsstörungen sollten Betablocker allerdings nicht eingesetzt werden, da diese sich ungünstig auf die Krankheiten auswirken können.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Hochmoderne Medikamente sind zwar effektiv, jedoch bleiben Nebenwirkungen während der Behandlung meist nicht aus. Das ist leider auch bei Betablockern nicht anders. Während der Einnahme kann es zu einem verlangsamten Herzschlag (Bradykardie), zu einer Gewichtszunahme, zu Durchfall, zu Schwindel und zu einer Veränderung des Blutzuckerspiegels kommen.

Wenn es bei dem Patienten tatsächlich zu einer Gewichtszunahme kommt, dann reicht es meist aus, zu einem anderen Präparat oder zu ACE-Hemmern zu greifen. Die Gewichtszunahme rührt daher, dass der Stoffwechsel bei einer Absenkung des Pulses verlangsamt wird. Aus diesem Grund nehmen Bodybuilder, die Fett verlieren möchten, häufig (verschreibungspflichtige oder illegale) Substanzen ein, die den Puls beschleunigen und somit den Stoffwechsel erhöhen. Da Übergewicht bei Bluthochdruck äußerst kontraproduktiv ist, sollte man entsprechende Medikamente zeitig absetzen.

Unterschiede bei Betablockern

Nicht alle Betablocker funktionieren auf dieselbe Weise. Das liegt daran, dass es zwei unterschiedliche Beta-Rezeptoren gibt, die Beta-1- und die Beta-2-Rezeptoren. Während sich Beta-1-Rezeptoren hauptsächlich auf dem Herzen befinden, befinden sich die Beta-2-Rezeptoren vor allem auf Zellen außerhalb des Herzens. Daraus ergeben sich insgesamt drei Typen von Betablockern:

  • Nicht-selektive Betablocker
    Nicht-selektive Betablocker blockieren sowohl Beta-1- als auch Beta-2-Rezeptoren.
  • Betablocker für Beta-1-Rezeptoren
    Betablocker für Beta-1-Rezeptoren blockieren lediglich solche Rezeptoren, die sich auf dem Herzen befinden.
  • Betablocker für Beta-2-Rezeptoren
    Betablocker für Beta-2-Rezeptoren blockieren lediglich solche Rezeptoren, die sich außerhalb des Herzens befinden.

Wie werden Betablocker abgesetzt?

Die Absetzung von Betablockern sollte in jedem Fall schleichend geschehen, da es ansonsten zu einem starken Anstieg des Blutdrucks und zu Schwindel kommen kann. Der Herzmuskel wird dabei deutlich schwächer durchblutet, weshalb im schlimmsten Fall sogar ein Herzinfarkt drohen kann.

Aus diesem Grund müssen Betablocker nach und nach abgesetzt werden – auf die sanfte Art. Am besten setzt man sich mit seinem behandelnden Arzt zusammen und lässt sich beraten, wie man Betablocker im individuellen Fall idealerweise absetzt. Die oben genannten „Entzugserscheinungen“ sollten in jedem Fall verhindert werden.

Darf man während der Einnahme Alkohol trinken?

Auf Alkohol sollte man während der Einnahme von Betablockern verzichten, da dieser die Wirkung des Medikamentes verstärkt – zumindest bei sehr geringen Mengen an Alkohol. Auf Dauer erhöht Alkohol zudem den Blutdruck, was das genaue Gegenteil von der erwünschten Wirkweise von Betablockern ist. Kann man nicht die Finger vom Alkohol lassen, drohen Wechselwirkungen wie Leberentzündungen, Psychosen, Angstzustände, Depressionen, Schwindel, Bewusstlosigkeit, Kreislaufzusammenbruch und mehr.

Wie sieht es mit Sport aus?

Grundsätzlich schließen sich Betablocker und sportliche Aktivität nicht gegenseitig aus. Jedoch gibt es einige Dinge, auf die man dabei achten sollte: Sport erhöht nämlich den Blutdruck kurzfristig, damit der Organismus die nötige Leistung bringen kann. Dies wird bewerkstelligt, indem der Körper bei sportlicher Aktivität Stresshormone ausschüttet.

Das Problem: Betablocker werden eingenommen, um die Wirkung dieser Stresshormone zu blockieren. Folglich bleiben Blutdruck und Puls – auch bei sportlicher Aktivität – unten. Der Sauerstoff- und Nährstoffbedarf des Körpers kann deshalb nicht gedeckt werden. Es kommt zu Atemnot und ähnlichen Symptomen.

Nichtsdestotrotz sollten Patienten, die Betablocker einnehmen, nicht auf Sport verzichten, da Bewegung den Blutdruck dauerhaft absenkt. Sie sollen es lediglich langsamer angehen lassen und im Idealfall vorher ein 24-Stunden-EKG beim Arzt durchführen lassen. Auch ein Belastungs-EKG kann Aufschlüsse darüber geben, inwieweit sich der Patient überhaupt anstrengen darf. Letztendlich sollte man mit dem behandelnden Arzt besprechen, in welcher Intensität Sport zulässig ist und welche Sportarten empfehlenswert sind. Keinesfalls sollte man auf eigene Faust lossprinten.